Berlin Marathon in den Dreck gezogen

Wenn Laufen zur „Freak“-Show wird!

Von ehrlicher Leistung, gekaufter Aufmerksamkeit und der Frage, wann „Höher, schneller, weiter“ einfach nur noch krank ist

Ich liebe den Laufsport.

Genau deshalb kotzt mich manches an, was inzwischen unter dem Etikett „Running“ durch die sozialen Medien getrieben wird.

Denn Laufen war einmal ziemlich einfach.

Du trainierst.
Du leidest.
Du verbesserst dich.
Du scheiterst.
Du stehst wieder auf.
Du trainierst weiter.
Und irgendwann steht eine Zeit auf der Uhr, die du dir selbst erarbeitet hast.

42,195 Kilometer bedeuten 42,195 Kilometer.

Nicht 31.

Nicht 38 und den Rest auf dem Fahrrad.

Nicht 126 Kilometer, weil ein Marathon inzwischen angeblich nicht mehr spektakulär genug ist.

Und ganz sicher bedeutet eine Marathonmedaille nicht: „Ich war irgendwie dabei.“

Der Berlin-Marathon und die neue Ehrlichkeit

Was beim Berlin-Marathon 2026 passiert ist, ist deshalb mehr als eine kuriose Geschichte aus der Influencer-Bubble.

Eine chinesische Influencerin, Sun Yuanyuan alias „Abeeeer“, wurde dabei fotografiert, wie sie sich gegen Ende des Marathons auf einem Fahrrad transportieren ließ. Sie hatte anschließend zunächst eine Zeit von 4:53:46 Stunden als persönliches Ergebnis präsentiert. Später räumte sie den Regelverstoß ein und entschuldigte sich. Ihr Sponsor Brooks China beendete die Zusammenarbeit. (Quelle: Runner’s World, 2026)

Eine zweite Influencerin, Ginger Jesson-Macduff, verließ die Strecke bei etwa Kilometer 22 und stieg rund zehn Kilometer später wieder ein. Ihre Uhr zeichnete lediglich 31,22 Kilometer auf. Sie veröffentlichte zunächst ein Foto mit der Finisher-Medaille, löschte den entsprechenden Beitrag später und wurde in den offiziellen Ergebnissen disqualifiziert. (Quelle: FOCUS online, 2026)

Und genau hier hört für mich der Spaß auf.

Denn natürlich kann einem Menschen während eines Marathons schlecht werden.

Natürlich darf jeder aus einem Rennen aussteigen.

Natürlich darf man abbrechen.

Was man aber nicht darf, ist aus 31 Kilometern einen Marathon machen.

Man darf scheitern.

Man darf langsamer werden.

Man darf aufgeben.

Man darf sagen: „Heute war nicht mein Tag.“

Was man nicht darf, ist die eigene Leistung nachträglich größer machen, als sie war.

Denn genau dort beginnt Betrug.

Und dieser Betrug betrifft nicht nur die Person selbst.

Denn hinter jedem Startplatz steht jemand anderes

Das wird gerne vergessen.

Ein großer Marathon ist kein Fitnessstudio, in dem jeder sein eigenes Ding macht.

Startplätze sind begrenzt.

Beim Berlin-Marathon 2026 wurden rund 50.000 Finisher gezählt. Insgesamt wurden 94 Teilnehmer disqualifiziert; laut Veranstalter betraf etwa die Hälfte der Ausschlüsse tatsächliche Schummeleien, darunter Abkürzungen oder das Wechseln von Startnummern. (Quelle: Sportschau)

Und manche Menschen trainieren jahrelang für genau diese Startplätze.

Sie sparen Geld.

Sie planen ihren Urlaub.

Sie trainieren im Winter bei fünf Grad und Regen.

Sie stehen morgens um sechs Uhr auf.

Sie verzichten auf Partys.

Sie bauen ihr Training um Beruf und Familie herum.

Sie versuchen vielleicht jahrelang, eine Qualifikationszeit zu erreichen.

Und dann kommt jemand, der einen Teil der Strecke auf dem Fahrrad fährt, zehn Kilometer auslässt oder die Startnummer tauscht – und stellt sich anschließend mit Medaille vor die Kamera.

Das ist keine coole Story. Das ist respektlos.

Respektlos gegenüber den Veranstaltern.

Respektlos gegenüber den anderen Teilnehmern.

Und vor allem respektlos gegenüber all jenen, die ihre Leistung ehrlich erbringen.

Wenn 2:30 Stunden plötzlich nicht mehr reichen

Aber das eigentliche Problem geht noch viel tiefer.

Denn Social Media verändert nicht nur die Definition von Ehrlichkeit.

Es verändert die Definition von Leistung.

Früher war ein Marathon unter drei Stunden eine verdammt starke Leistung.

Heute muss es offenbar zusätzlich noch Content sein.

2:30 Stunden?

Langweilig.

Dann doch lieber:

Marathon laufen und dabei DJ spielen.

Marathon laufen und zwischendurch kochen.

Marathon laufen und sich auf der Strecke mit der Freundin herumknutschen.

Marathon laufen und gleichzeitig irgendwelche Challenges erledigen.

Marathon laufen, dabei filmen, schneiden, posten und am besten noch einen Weltrekordversuch simulieren.

Und wenn drei Stunden nicht mehr reichen, läuft man eben drei Marathons.

So geschehen beim Berlin-Marathon-Wochenende 2026: Maren Schiller und Imke Salander liefen insgesamt rund 126 Kilometer – umgerechnet drei Marathons – innerhalb von knapp 19 Stunden. Schiller sprach anschließend selbst von extremer Erschöpfung und einem Belastungsgrad von 9,5 auf einer Zehnerskala. (Quelle: rbb24, 2026)

Ich kritisiere nicht, dass zwei Menschen drei Marathons laufen.

Das dürfen sie.

Wenn sie das körperlich verantworten können und professionell begleiten, ist das ihre Entscheidung.

Ich kritisiere die Kultur, in der ein Marathon als normale sportliche Leistung offenbar nicht mehr ausreicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Und bemerkenswert ist: Schiller selbst sagte anschließend, sie sei sich bewusst, dass sie zu diesem „Höher, schneller, weiter“ beitrage. Außerdem berichtete sie, dass Menschen sie angesprochen hätten, die inzwischen das Gefühl hätten, ein Marathon reiche als Leistung nicht mehr aus.

Genau da liegt der Punkt.

Wenn selbst die Protagonisten erkennen, dass ihre Inszenierung einen Vergleichsdruck erzeugt, sollten wir endlich darüber reden.

Berlin Marathon in den Dreck gezogen

Was macht das mit dem Läufer, der einfach nur läuft?

Stell dir den normalen Hobbyläufer vor.

Er läuft seinen ersten Marathon.

4:42 Stunden.

Er hat dafür sechs Monate trainiert.

Vielleicht war er übergewichtig.

Vielleicht hatte er jahrelang keinen Sport gemacht.

Vielleicht war dieser Marathon die größte körperliche Herausforderung seines Lebens.

Er kommt ins Ziel.

Er weint.

Er ist stolz.

Er bekommt seine Medaille.

Und dann öffnet er Instagram.

Dort sieht er:

„Mein Marathon – aber ich habe nebenbei noch gekocht.“

„42 km mit 17 Challenges.“

„Drei Marathons in 19 Stunden.“

„Marathon? Easy.“

„100 Kilometer zum Frühstück.“

„Ich bin heute 50 Kilometer gelaufen, weil 30 irgendwie langweilig sind.“

Und plötzlich fühlt sich der Mensch mit 4:42 Stunden nicht mehr wie ein Finisher.

Sondern wie ein Versager.

Das ist das Problem.

Nicht die außergewöhnliche Leistung an sich.

Sondern ihre permanente Inszenierung als neuer Normalzustand.

Social Media macht aus Leistung einen Vergleich

Die Wissenschaft liefert dafür inzwischen durchaus Grund zur Sorge.

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wertete 83 Studien mit insgesamt 55.440 Personen aus. Höhere soziale Vergleiche in sozialen Medien waren moderat mit mehr Körperbildproblemen und ebenfalls signifikant mit Symptomen problematischen Essverhaltens verbunden. (Bonfanti et al., 2025)

Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit speziell zu Athletinnen und Athleten fand ebenfalls Zusammenhänge zwischen Social-Media-Nutzung und negativen psychischen Outcomes wie Angst, depressiven Symptomen, emotionaler Belastung, Körperbildproblemen und Burnout. Besonders problematisch erschienen passiver Konsum und vergleichsorientierte Nutzung. Die Autoren betonen allerdings, dass die Datenlage heterogen ist und viele Studien keine Kausalität beweisen können. (Quelle: Siaj et al., 2026)

Das ist wichtig.

Wir können nicht seriös behaupten:

„Instagram verursacht Verletzungen.“

Dafür gibt es keine ausreichende Evidenz.

Was wir aber sehr wohl diskutieren können:

Social Media verändert den Vergleichsmaßstab.

Und wenn jemand glaubt, er müsse trainieren wie ein Profi, essen wie ein Model, aussehen wie ein Fitness-Influencer und gleichzeitig Leistungen bringen wie ein Ultraathlet, obwohl er einen normalen Beruf und Familie hat, ist das kein sportwissenschaftliches Konzept.

Das ist eine Überforderung.

Und dann kommt der Schmerz

Besonders gefährlich wird es, wenn Schmerzen nicht mehr als Warnsignal verstanden werden.

Sondern als Content.

„Pain is temporary.“

„Never quit.“

„Mind over matter.“

„Push through.“

Nein.

Manchmal bedeutet Schmerz nicht, dass du stärker werden musst.

Manchmal bedeutet Schmerz:

Hör auf.

Und genau hier wird die Geschichte rund um den Last Soul Ultra interessant.

Der Last Soul Ultra ist ein Backyard Ultra. Die Teilnehmer laufen jede Stunde eine 6,706-km-Runde. Wer nicht rechtzeitig zurückkommt, scheidet aus. Das Rennen läuft, bis nur noch eine Person übrig bleibt.

2025 gewann Kim Gottwald nach 67 Runden – fast 450 Kilometer.

Danach wurde öffentlich bekannt beziehungsweise von der Veranstaltung kommuniziert, dass Gottwald während des Rennens 8.000 mg Ibuprofen eingenommen habe. Diese Zahl ist allerdings nicht unabhängig klinisch verifiziert. Selbst die Berichte weisen deshalb auf diese Einschränkung hin. (Quelle: BackyardUltra.de, 2025)

Und genau deshalb muss man aufpassen, was man daraus macht.

Ich werde niemanden aufgrund einer nicht unabhängig überprüften Zahl medizinisch aburteilen.

Aber ich werde die Idee dahinter kritisieren:

Wenn ein Sportler Schmerzmittel einsetzt, um weiterlaufen zu können, ist die Frage nicht:

„Wie hart bist du?“

NEIN!!!!

„Warum musst du deinen Körper überhaupt so lange zum Schweigen bringen?“

Denn Schmerz hat eine Funktion.

Er ist kein Gegner, den man mit Tabletten besiegen muss.

Schmerzmittel sind kein Energy Gel.

Nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen sind keine Sporternährung.

Sie können Nebenwirkungen haben – unter anderem am Magen-Darm-Trakt und an den Nieren.

Und lange Ausdauerbelastungen bringen zusätzliche Belastungen wie Dehydratation, Hitze, Elektrolytverschiebungen und reduzierte Nierendurchblutung ins Spiel.

Die Kombination aus extrem langer Belastung und hohen NSAID-Mengen ist deshalb kein Heldentum.

Sie ist medizinisch riskant. (Quelle: Lipman et al., 2017)

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Denn wenn ein Influencer erzählt:

„Ich war komplett kaputt, aber ich habe weitergemacht“,

kann das inspirierend wirken.

Wenn daraus aber die Botschaft wird:

„Wenn du wirklich mental stark bist, läufst du trotz allem weiter“,

wird es gefährlich.

Denn dann lernt der Zuschauer nicht, auf seinen Körper zu hören.

Er lernt, ihn zu ignorieren.

Das erinnert an eine andere Ära des Ausdauersports

Und hier ziehe ich bewusst einen Vergleich, auch wenn man ihn nicht eins zu eins setzen darf.

In den 1990er- und 2000er-Jahren wurde der Profisport von einer ähnlichen Logik zerfressen:

Die Leistung reicht nicht mehr? Dann muss eben nachgeholfen werden.

EPO.

Blutdoping.

Anabolika.

Stimulanzien.

Medizinische Überwachung des Betrugs.

Der Festina-Skandal von 1998 machte sichtbar, wie tief systematisches Doping im professionellen Radsport verankert war. (Quelle: Doping-Archiv)

Der Unterschied ist: Damals wurde der Körper pharmakologisch manipuliert, um schneller zu sein.

Heute wird der Körper teilweise medial manipuliert, um spektakulärer zu wirken.

Das ist natürlich nicht dasselbe.

Aber die zugrunde liegende Logik kann ähnlich werden:

Normale Leistung reicht nicht mehr.

Also muss etwas passieren.

Mehr Kilometer.

Mehr Härte.

Mehr Geschwindigkeit.

Mehr Extreme.

Mehr Schmerz.

Mehr Content.

Mehr Klicks.

Mehr Sponsoren.

Mehr Aufmerksamkeit.

Und irgendwann wird die Frage nicht mehr gestellt:

„Ist das noch sinnvoll?“

Sondern:

„Was muss ich tun, damit es viral geht?“

Der Algorithmus belohnt nicht Vernunft

Das ist vielleicht die größte Tragödie.

Ein sauber trainierter Marathon über 3:15 Stunden ist wissenschaftlich interessant.

Aber er ist nicht unbedingt viral.

Ein sauber gelaufener Marathon in 4:20 Stunden?

Noch weniger.

Ein Marathon mit Zwischenstopp beim Kochen?

Viral.

Drei Marathons in 19 Stunden?

Viral.

100 Kilometer?

Viral.

200 Kilometer?

Noch besser.

400 Kilometer?

Jetzt explodieren die Klickzahlen.

Und wenn jemand behauptet:

„Ich bin verletzt, aber ich ziehe trotzdem durch“,

ist das für Social Media häufig eine bessere Geschichte als:

„Ich habe heute abgebrochen, weil mein Körper mir gesagt hat, dass es vernünftig ist.“

Das Problem:

Der Algorithmus hat keine Ahnung von Trainingsphysiologie. Und die meisten Influencer und Influencerinnen ebenfalls nicht!

Er weiß nicht, was eine Sehne braucht.

Er weiß nicht, wie lange Knochen für Anpassung brauchen.

Er weiß nicht, was ein ausreichender Energiestatus ist.

Er kennt keine Regeneration.

Er kennt keine hormonelle Gesundheit.

Er kennt keine Belastungssteuerung.

Er kennt nur:

Aufmerksamkeit.

Und genau deshalb brauchen Influencer Verantwortung

Wer 20.000 Follower hat, kann machen, was er will.

Wer 200.000 Follower hat, kann ebenfalls machen, was er will.

Aber ab einer gewissen Reichweite ist man nicht mehr nur Privatperson.

Man ist Vorbild.

Man beeinflusst Kaufentscheidungen.

Trainingsentscheidungen.

Ernährungsentscheidungen.

Körperbilder.

Leistungsziele.

Und manchmal auch die Frage, ob jemand auf seinen Körper hört oder ihn übergeht.

Deshalb reicht „Ich mache das nur für mich“ irgendwann nicht mehr.

Wenn du deine Leistung öffentlich vermarktest, musst du auch Verantwortung für die Botschaft übernehmen.

UND: Nur weil jemand Leistung bringt, ist er noch lange kein Vorbild, Trainer oder hat einen wissenschaftlichen Hintergrund, der Ratschläge rechtfertigen könnte.

Die gefährlichste Botschaft lautet: „Du bist nicht genug“

Das ist die Botschaft, die zwischen den Bildern steckt.

Du bist nicht schnell genug.

Du bist nicht dünn genug.

Du trainierst nicht hart genug.

Du läufst nicht weit genug.

Du bist nicht diszipliniert genug.

Du hast nicht genug Willenskraft.

Du bist kein echter Läufer.

„Vielleicht muss ich einfach härter werden.“

NEIN!!!!

„Vielleicht musst du lernen, dich nicht mit einem professionell inszenierten Internetleben zu vergleichen.“

An die Influencer: Ihr seid nicht der Mittelpunkt des Sports

Der Laufsport gehört nicht euch.

Er gehört auch dem 5:30-Stunden-Marathonläufer.

Dem 70-jährigen Läufer.

Der Anfängerin, die gerade ihren ersten Kilometer läuft.

Dem Menschen, der nach Jahren wieder anfängt.

Dem Vereinsathleten, der seit zehn Jahren trainiert.

Dem Profi, der sein ganzes Leben für 2:06 Stunden arbeitet.

Und dem Läufer, der am Sonntagmorgen seinen ersten Marathon läuft und im Ziel einfach nur glücklich ist.

Ihr seid nicht besser, weil ihr drei Marathons an einem Wochenende lauft.

Ihr seid nicht härter, weil ihr 100 Kilometer lauft.

Ihr seid nicht automatisch mental stärker, weil ihr euch bis zum körperlichen Zusammenbruch quält.

Und ihr seid ganz sicher kein besserer Mensch, weil eure Garmin-Uhr eine größere Zahl anzeigt.

Sport ist kein Wettbewerb darum, wer seinen Körper am überzeugendsten zerstören kann.

Und an die Läuferinnen und Läufer, die zuschauen:

Lasst euch nicht verarschen.

Ein Marathon ist eine außergewöhnliche Leistung.

Auch ohne Challenge.

Auch ohne Kochen.

Auch ohne DJ-Set.

Auch ohne TikTok-Livestream.

Auch ohne drei Durchläufe.

Auch ohne 2:30 Stunden.

Auch ohne Sponsoren.

Auch ohne Sixpack.

Auch ohne Millionen Klicks.

Wenn du 42,195 Kilometer ehrlich gelaufen bist, hast du etwas geleistet.

Wenn du dafür vier Stunden gebraucht hast, ist das nicht weniger ehrlich als 2:40.

Und wenn du fünf Stunden gebraucht hast, ist es immer noch ein Marathon.

Deine Leistung wird nicht kleiner, nur weil jemand im Internet eine größere Show daraus macht.

Ich will wieder mehr Sport und weniger Zirkus

Ich habe nichts gegen Influencer.

Ich habe nichts gegen Social Media.

Ich habe nichts gegen außergewöhnliche Leistungen.

Und ich habe auch nichts gegen Ultraläufe.

Was ich ablehne, ist die Vermischung von Sport, Selbstdarstellung und wirtschaftlichem Interesse, bei der am Ende die Show wichtiger wird als die Leistung.

Ein Sportler sollte nicht dafür bewundert werden, dass er Regeln umgeht.

Ein Läufer sollte nicht dafür gefeiert werden, dass er Schmerzmittel braucht, um eine Challenge zu Ende zu bringen.

Ein Marathon sollte nicht dadurch aufgewertet werden, dass man ihn dreimal läuft.

Und eine Leistung sollte nicht dadurch wertvoller werden, dass eine Marke dafür bezahlt.

Vielleicht brauchen wir deshalb im Laufsport wieder etwas, das auf Instagram ziemlich schlecht funktioniert:

Bescheidenheit.

Training statt Inszenierung.

Geduld statt Abkürzung.

Regeneration statt Selbstzerstörung.

Ehrlichkeit statt PR.

Und Leistung statt Story.

Denn am Ende zählt nicht, wie viele Menschen deine Garmin-Story gesehen haben.

Nicht, wie viele Sponsoren du hast.

Nicht, wie viele Follower deinen Zieleinlauf gelikt haben.

Und auch nicht, ob du während des Marathons noch Zeit hattest, einen Kuchen zu backen.

Am Ende bleiben 42,195 Kilometer.

Oder eben nicht.

Und wenn du sie nicht gelaufen bist, dann bist du keinen Marathon gelaufen.

So einfach ist das!

Und vielleicht sollten wir genau diese Einfachheit im Ausdauersport wieder zurückholen. Die Bubble ist krank geworden!

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