Das "Runner’s High" ist dieser magische Moment beim Laufen, in dem sich alles plötzlich leicht anfühlt – als würde der Körper schweben und der Kopf vor Glück überlaufen. Es ist ein Hochgefühl, das Läufer für ihre Anstrengung belohnt und sie immer wieder antreibt.

Runner’s High: Was steckt wirklich dahinter?

Jeder, der regelmäßig läuft, hat vielleicht schon einmal davon gehört: das berühmt-berüchtigte „Runner’s High“. Dieser Zustand wird von Läufern als euphorisches Gefühl beschrieben, das den Körper durchströmt, insbesondere während längerer oder intensiver Trainingseinheiten. Für einige ist es das ultimative Ziel, andere sprechen von ihm als einem der größten Reize des Laufens. Doch was steckt wirklich hinter diesem Phänomen? Ist es einfach nur eine natürliche Belohnung des Körpers für seine Anstrengung, oder gibt es tiefere biologische Mechanismen, die das Runner’s High erklären?

Was ist das „Runner’s High“?

Das „Runner’s High“ beschreibt einen Zustand euphorischer Glücksgefühle, die während oder nach dem Laufen auftreten können. Betroffene berichten von einem plötzlichen Gefühl der Leichtigkeit, einem energischen, fast schwerelosen Zustand, der mit einer erhöhten Schmerzgrenze einhergeht. Es ist der Moment, in dem der Lauf zu einem fast meditativen Erlebnis wird, das den Läufer mit einer tiefen Zufriedenheit erfüllt – als wäre die Welt für einen Augenblick in Ordnung.

In diesen Momenten scheinen Müdigkeit und Erschöpfung wie weggeblasen. Aber warum kommt es überhaupt zu dieser starken emotionalen Reaktion?

Die Biologie des Runner’s High

Das Phänomen des Runner’s High ist hauptsächlich auf die Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter und Hormone im Gehirn zurückzuführen. Insbesondere spielen Endorphine und Endocannabinoide eine wesentliche Rolle.

Endorphine – Die körpereigenen Schmerzmittel

Endorphine sind Neurotransmitter, die in unserem Körper als natürliche Schmerzmittel wirken. Sie werden oft als „Glückshormone“ bezeichnet, da sie dazu beitragen, das Wohlbefinden zu steigern und Schmerzen zu lindern. Bei intensiven körperlichen Belastungen, wie sie beim Laufen auftreten, schüttet der Körper Endorphine aus, um die körperlichen Beschwerden der Anstrengung zu lindern und eine Art „Belohnung“ für den Körper bereitzustellen.

Die Wissenschaft zeigt, dass die Endorphinausschüttung durch Ausdauersportarten besonders stark ist. Studien belegen, dass die Konzentration von Endorphinen im Blut nach einer längeren, intensiven Laufeinheit signifikant ansteigt, was zu einem Zustand der Euphorie führen kann. Das Gefühl von Glück, das Läufer häufig während des Trainings erleben, ist also tatsächlich das Ergebnis dieser körpereigenen Chemikalien.

Endocannabinoide – Die körpereigenen „Cannabis-Moleküle“

Neben Endorphinen gibt es eine weitere Gruppe von Stoffen, die beim Runner’s High eine wichtige Rolle spielen: die Endocannabinoide. Diese Substanzen ähneln den Verbindungen, die in Cannabis enthalten sind und haben ähnliche Auswirkungen auf das Gehirn. Sie beeinflussen das Nervensystem und können das Schmerzempfinden, das Stresslevel und die Stimmung positiv beeinflussen.

Endocannabinoide werden während längerer Ausdauerbelastungen, wie sie beim Laufen auftreten, ebenfalls vermehrt ausgeschüttet. Sie haben die Fähigkeit, die Wahrnehmung von Stress und Schmerz zu reduzieren und tragen zu einem Zustand des Wohlbefindens bei. Einige Studien legen nahe, dass das Gefühl von „Runner’s High“ durch die erhöhte Konzentration von Endocannabinoiden besonders bei Trail- oder Ultraläufern stark ausgeprägt ist, die oft sehr lange Distanzen bewältigen.

Der „Flow“-Zustand: Die perfekte Balance von Anstrengung und Genuss

Neben den biochemischen Prozessen gibt es noch einen weiteren Aspekt, der zum Runner’s High beiträgt: der sogenannte „Flow“-Zustand. Dieser beschreibt einen mentalen Zustand völliger Vertiefung und Konzentration auf eine Tätigkeit, in dem man aufzugehen scheint. Beim Laufen kann dieser Zustand durch eine Kombination aus körperlicher Anstrengung, mentaler Entspannung und der Fähigkeit, das Tempo konstant zu halten, entstehen.

Im Flow ist der Läufer nicht mehr bewusst auf seine Anstrengung fixiert, sondern läuft fast automatisch und intuitiv. Das führt nicht nur zu einem intensiveren Lauferlebnis, sondern auch zu einer verbesserten Stimmung, die viele als „Runner’s High“ erleben. Dieser Zustand der Glückseligkeit ist für viele Läufer ein Moment, in dem sie ihre Umgebung ausblenden können und in einem Zustand reiner Freude und Freiheit aufgehen.

Wann tritt das Runner’s High auf?

Nicht jeder Läufer erlebt das Runner’s High regelmäßig, und es tritt auch nicht bei jedem Lauf auf. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die beeinflussen können, ob man in diesen euphorischen Zustand gelangt:

  1. Dauer und Intensität des Trainings: Besonders bei längeren Läufen oder intensiven Trainingseinheiten wird der Körper stärker belastet, was zu einer höheren Ausschüttung von Endorphinen und Endocannabinoiden führt. Für viele Läufer tritt das Runner’s High meist nach 30–45 Minuten oder mehr auf, wenn der Körper in einen Zustand der Müdigkeit übergeht, aber die Endorphine und Endocannabinoide beginnen, die Schmerzen zu lindern.
  2. Mentale Einstellung und Stimmung: Auch die mentale Verfassung spielt eine Rolle. Läufer, die sich nicht zu sehr auf das Ziel fokussieren und das Training als Genuss erleben, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, das Runner’s High zu erleben. Ein positiver Mindset und die Fähigkeit, im Moment zu leben, tragen dazu bei, dass das euphorische Gefühl entsteht.
  3. Erfahrung und Trainingszustand: Erfahrene Läufer, die ihre körperliche Ausdauer und Kondition kontinuierlich verbessern, erleben das Runner’s High häufiger. Ihr Körper hat sich besser an die Belastung angepasst, was dazu führt, dass sie weniger schmerzempfindlich sind und das Glücksgefühl schneller eintritt.

Warum ist das Runner’s High für Läufer so wichtig?

Das Runner’s High ist mehr als nur ein angenehmes Gefühl während des Trainings. Es spielt eine wichtige Rolle für die Motivation und langfristige Laufgewohnheiten. Für viele Läufer ist dieses euphorische Gefühl eine Art Belohnung, die die Anstrengungen des Trainings wert macht. Es stärkt die Verbindung zwischen Läufer und Sport und bietet eine mentale Erfrischung, die dabei hilft, sich selbst über die eigenen Grenzen hinaus zu pushen.

Ein weiterer Vorteil des Runner’s High ist, dass es den Läufern hilft, das Gefühl der Erschöpfung oder Müdigkeit zu überwinden und ihre Leistung zu steigern. Das Phänomen motiviert dazu, weiterzulaufen und das Training fortzusetzen – insbesondere in schwierigen Momenten, in denen die mentale und körperliche Energie nachlässt.

Fazit: Der magische Moment im Lauf

Das Runner’s High ist ein faszinierendes Phänomen, das sich aus einer Kombination aus physiologischen und psychologischen Prozessen zusammensetzt. Es ist das Ergebnis von Hormonen und Neurotransmittern, die der Körper freisetzt, um mit der Belastung des Trainings umzugehen, und es kann Läufern dabei helfen, ihre Leistung zu steigern, Schmerzen zu überwinden und sich besser zu fühlen. Der „Flow“-Zustand, die mentale Entspannung und die körperliche Erleichterung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in diesem magischen Moment.

Für Läufer ist das Runner’s High nicht nur ein lustiger Nebeneffekt, sondern eine wertvolle Belohnung, die die Freude am Sport fördert und zu einer tiefen Verbindung mit dem Laufen führt. Wer sich also irgendwann fragt, warum Laufen so süchtig macht – das ist der Grund! Es ist die Mischung aus körperlicher Herausforderung und mentalem Hochgefühl, die uns immer wieder auf die Straße bringt.