
Ganz oben angekommen – und noch lange nicht am Ziel
Jana Uderstadt gehört zu den erfolgreichsten Triathletinnen der Region. Beim Frankfurt City Triathlon 2026 sicherte sie sich den Sieg auf der Mitteldistanz. Im Interview erzählt sie, was dieser Erfolg für sie bedeutet, wie ihr Trainingsalltag aussieht und welche Ziele sie als Nächstes verfolgt.
Der Sieg in Frankfurt
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg beim Frankfurt City Triathlon! Wie hast du das Rennen erlebt?
Jana: Es war ein besonderes Rennen für mich, weil Frankfurt mein Heimrennen ist. Vor dem Start war ich ehrlich gesagt etwas unsicher, denn wir hatten in der Woche davor noch relativ viel trainiert, und ich hatte nach der Schweiz erst eine Mid-Season-Break eingelegt. Umso schöner war es, dass es dann so gut lief. Das Wetter hat perfekt mitgespielt – beim frühen Start war es noch angenehm kühl, später wurde es dann wärmer. In der ersten Wechselzone gab es einen kleinen Schreckmoment, als ein Profi-Athlet versehentlich meinen Beutel mitgenommen hatte und ich kurz ziemlich unruhig danach gesucht habe. Danach lief aber alles wieder rund, und ich konnte mich ganz auf das Rennen konzentrieren.
Was das Ganze am Ende so besonders gemacht hat, waren die vielen bekannten Gesichter, die ich später auf der Laufstrecke gesehen habe, und die Anfeuerungen von anderen Athletinnen und Athleten während des Rennens – das hat mich riesig gefreut und mich richtig getragen. So konnte ich das Rennen am Ende wirklich genießen.
Gab es während des Rennens einen Moment, in dem du gemerkt hast: Heute kann ich gewinnen?
Jana: Ich war ehrlich gesagt selbst überrascht, dass ich schon als erste Frau aufs Rad gestiegen bin – normalerweise muss ich nach dem Schwimmen erst eine Aufholjagd starten. In dem Moment wusste ich, dass es ein guter Tag werden könnte. Richtig sicher war ich mir dann aber erst beim Laufen, als ich den Abstand zur Verfolgerin immer weiter ausbauen konnte.
Was bedeutet dir dieser Sieg – gerade bei einem Wettkampf in deiner Heimatregion?
Jana: Das ist ein tolles Gefühl – gerade weil so viele bekannte Gesichter an der Strecke standen, war es noch einmal schöner als ein Sieg auswärts. Frankfurt hat für mich eine besondere Bedeutung: Ich bin hier 2016 zum ersten Mal gestartet, und ich komme seitdem immer wieder gerne zurück.
Der Weg in den Profisport
Wie bist du ursprünglich zum Triathlon gekommen und wann hast du entschieden, den Sport professionell zu betreiben?
Jana: Zum Triathlon gekommen bin ich eigentlich über Umwege – mein damaliger Freund hat mich mitgenommen zu einer Radtour in Frankreich, weil er unbedingt einen bestimmten Berg hochfahren wollte. Was er mir vorher verschwiegen hatte: Es war der Mont Ventoux. Dort habe ich meine Liebe zum Radfahren entdeckt, vor allem zum Bergabfahren. Zurück in Worms bin ich dann bei einem Triathlonverein eingestiegen, zunächst nur mit dem Rad, und es dauerte nicht lange, bis ich auch die beiden anderen Disziplinen für mich entdeckt hatte.
Profi zu werden war dabei nie mein Ziel. Ich habe erst mit 17 recht spät mit Triathlon begonnen und kam aus keiner der drei Sportarten. Auf den längeren Distanzen bin ich immer in der jüngsten Altersklasse, 18–24, gestartet und konnte sie eigentlich immer gewinnen. Irgendwann habe ich dann nicht mehr auf meine Altersklassen-Platzierung geschaut, sondern auf die Gesamtplatzierung. Ein Altersklassen-Rennen ist aber nicht mit einem Profirennen vergleichbar, deshalb habe ich mich irgendwann entschieden, den Schritt zu wagen und im Profifeld an den Start zu gehen.
Wie sieht eine typische Trainingswoche bei dir aus?
Jana: Eine typische Trainingswoche gibt es bei mir zum Glück nicht – und genau das liebe ich am Triathlon: die Abwechslung, dass es nie eintönig wird. Eine beispielhafte Struktur sieht aber so aus: Montag und Donnerstag sind meine Entlastungstage, an denen ich länger schwimme und Krafttraining mache. Dienstags starte ich morgens mit Schwimmen von 6:30 bis 8 Uhr, mittags geht es aufs Rad, und abends stehen Intervalle im Verein auf dem Programm. Mittwochs beginne ich mit Laufen, schwimme mittags und fahre nachmittags Rad. Freitags schwimme ich wieder von 6:30 bis 8 Uhr, danach folgt eine Radeinheit mit kurzem Koppellauf, anschließend noch einmal Rad mit kurzem Koppellauf. Am Samstag steht eine längere Radeinheit mit Anschlusslauf an, und sonntags runde ich die Woche mit einem langen Lauf und einer langen Radeinheit ab.
„In diesem Rennen habe ich sehr viel über mentale Stärke gelernt.“
– Jana Uderstadt
Welche der drei Disziplinen liegt dir am meisten und welche fordert dich am stärksten?
Jana: Meine stärkste Disziplin wechselt eigentlich immer mal zwischen Rad und Laufen. Am liebsten fahre ich Rad, weil ich dabei die Umgebung entdecken kann – das genieße ich sehr. Am meisten fordert mich, wie die meisten Triathletinnen und Triathleten, das Schwimmen, weil ich es erst relativ spät gelernt habe.
Wie gehst du mit Rückschlägen oder Wettkämpfen um, die nicht wie geplant verlaufen?
Jana: Das Wichtigste ist für mich: immer weitermachen. Bei einem 70.3-Rennen hatte ich einmal zwei Plattfüße und konnte den zweiten nicht mehr reparieren. Da nur noch etwa 10 Kilometer bis ins Ziel waren, bin ich die restliche Strecke einfach gelaufen und hatte am Ende statt 21 fast 30 Kilometer Laufen auf der Uhr stehen. In diesem Rennen habe ich sehr viel über mentale Stärke gelernt.
Ein anderes Beispiel war letztes Jahr auf Hawaii: Ich bin nicht gut geschwommen und kam als 30. aus dem Wasser. Aber ich habe nie aufgegeben, mich immer weiter reingearbeitet und an mich geglaubt – am Ende bin ich auf Platz 15 ins Ziel gelaufen.
Ausrüstung und persönliche Tipps
Worauf achtest du bei der Wahl deiner Laufschuhe und deiner Ausrüstung?
Jana: Mir ist wichtig, immer konkurrenzfähig zu bleiben. Mittlerweile gibt es so viele Hersteller und ständig neue Innovationen, deshalb schätze ich es sehr, mit Laufzeit einen Laufschuhladen an meiner Seite zu haben, der mir ermöglicht, Modelle verschiedener Hersteller zu testen. Wichtig ist mir auch, nicht immer die gleichen Schuhe zu laufen, sondern zu variieren – und dafür ist ein Laufladen als Partner einfach perfekt.
Welchen Tipp würdest du Menschen geben, die selbst mit dem Triathlon beginnen möchten?
Jana: Einfach starten! Ich glaube, heute wird oft zu viel nachgedacht, bevor man überhaupt anfängt. Meinen ersten Triathlon bin ich damals in einem Mode-Bikini, mit dem Mountainbike meiner Mama und in Chucks gelaufen – sicher nicht die beste Materialwahl, gerade beim Schwimmen und Laufen, aber es hat trotzdem funktioniert.
Mein zweiter Tipp: Sucht euch Leute zum Training, die bereits Triathlon machen, euch beraten können und mit denen ihr vor allem gemeinsam Spaß am Sport habt.
Der Blick nach vorn
Welche sportlichen Ziele möchtest du dir als Nächstes erfüllen?
Jana: Ein großer Traum von mir ist es, meine Platzierung von Hawaii aus dem letzten Jahr noch zu verbessern. Darüber hinaus habe ich das Ziel, auf Ironman-Distanzen aufs Podium zu kommen.
Jana Uderstadt hat noch viel vor – und wenn ihr bisheriger Weg eines zeigt, dann, dass sie sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten lässt. Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen ihr für Hawaii und den Traum vom Ironman-Podium viel Erfolg!
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